Bartpflege

Der Rasierpinsel – ein unverzichtbares Werkzeug für die Rasur?

Rasierpinsel in Hand bricht durch Papierwand

Der Rasierpinsel ist ein wortwörtlicher Schaumschläger. Mit ihm wird die Rasierseife oder die Rasiercreme in flüssigen Bewegungen zu Schaum aufgeschlagen und anschließend im Gesicht verteilt. War er am Ende zur letzten Jahrhundertwende nur noch bei Opa zu Hause zu finden, feiert er seit einigen Jahren eine Renaissance. Immer mehr Männer wenden sich der traditionellen Rasur zu. Dafür braucht man ein Rasiermesser oder Rasierhobel, die Rasierseife oder Rasiercreme und natürlich den Rasierpinsel für einen weichen, cremigen Schaum.

Der Rasierpinsel ist ein buschiger kleiner Pinsel aus Naturhaaren oder synthetischen Fasern mit einem kurzen Griff am Ende. Er dient dazu, mit kreisenden Bewegungen die Rasierseife oder Creme zu Schaum aufzuschlagen und sie anschließend auf dem Barthaar zu verteilen. Nachdem er in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkam und das Aufschäumen und Auftragen per Hand ersetzte, verschwand er mit dem Siegeszug der Elektrorasierer beinahe aus der Wahrnehmung. Mit der Renaissance des Bartes im neuen Jahrtausend kamen aber auch die traditionellen Rasiermethoden wieder.

Die Königsklasse dieser Pinsel, Pure Badger, sind Rasierpinsel bestehend aus einem hochwertig lackierten Holzgriff und darin eingebrachte Haarbündel aus reinem Dachshaar. Rasierpinsel aus Dachshaar haben den Vorteil, dass sie viel Wasser aufnehmen und besonders weich sind. Das macht sie zur ersten Wahl bei der Rasur empfindlicher Haut. Allerdings gibt es auch hier unterschiedliche Qualitätsstufen.

Rasierpinsel werden häufig aus Dachshaar hergestellt

Die Herstellung von Rasierpinseln der Oberklasse erfolgt nach wie vor in aufwändiger Handarbeit, bei der die Haare einzeln oder als Bündel in das Griffstück eingesetzt werden. An einem derart hochwertigen Rasierpinsel kann man bei richtigem Gebrauch jahrelang seine Freude haben ohne dass die Qualität merklich nachlässt. Wie genau die Herstellung von Rasierpinseln funktioniert, kannst du weiter unten nachlesen.

Wie werden Rasierpinsel hergestellt?

Rasierpinsel werden seit dem 18. Jahrhundert benutzt und die wirklich hochwertigen werden nach wie vor in Handarbeit gefertigt. Dafür wird zunächst die Menge an Haaren mit einer feinen Waage abgemessen. Wie viele Haare gebraucht werden, hängt vom Durchmesser des Pinselgriffs ab. Es gibt sie in verschiedenen Dicken.

Einzelne Haare, die nicht in Reih und Glied liegen, werden ausgekämmt. Danach wird das Haarbündel in eine sogenannte Stoßbüchse eingeführt. Das ist ein Metallzylinder, der die Haare in die abschließende Form bringt. Hier werden sie nun durch Stöße (daher der Name) in Form gebracht. Anschließend wird das Bündel am Ende zusammengebunden und verklebt.

Wenn der Kleber gründlich ausgehärtet ist, werden die Haare in den Griff eingesetzt. Wie sie dort befestigt werden, hängt von dem Material des Griffs ab. Während sie in Holzgriffen oft eingeklebt werden, können Metallgriffe gepresst werden und halten die Haare mechanisch fest. Zum Schluss werden die Pinsel noch einer Qualitätskontrolle unterzogen und einzelne Haare, die aus der Masse herausstechen, werden entfernt.

Warum sollte man einen Rasierpinsel verwenden?

Besser wäre die Frage, warum eigentlich nicht? Den eigenen Rasierschaum aufschlagen dauert etwas, entstresst aber gleichzeitig Körper und Seele. Ein Rasierpinsel trägt nicht nur den Schaum auf den Bart auf, er bewirkt gleichzeitig ein sanftes Peeling der Haut. Die Durchblutung wird gesteigert und die Haut wird entspannt. Dabei lagern sich zusätzliche Nährstoffe in der Haut an, welche den Bartwuchs unterstützen. Darüber hinaus erlaubt ein Rasierpinsel eine viel bessere Verteilung des Rasierschaums als die bloßen Handflächen. Durch die kreisenden Bewegungen wird der Schaum von allen Seiten an das Barthaar massiert. So stellt es sich besser auf und die Rasur geht leichter von der Hand.

Und wenn dich diese ganzen Vorteile nicht überzeugt haben: Es fühlt sich auch noch einfach toll an. Man fühlt sich mit seinen Vorfahren verbunden, männlich, kraftvoll und gleichzeitig ist man bewusst im Hier und Jetzt. Es ist ein Akt des Self-Care. Du bist im Mittelpunkt, du kümmerst dich gerade nur um dich!

Wie verwendet man einen Rasierpinsel?

Ein Rasierpinsel hat zwei Aufgaben: Die Rasierseife oder Rasiercreme zu Schaum aufschlagen und den Schaum dann gründlich auf dem Bart zu verteilen. Da beide Aufgaben direkt nacheinander kommen, erhältst du hier die komplette Anleitung.

Als erstes stellst du den Rasierpinsel in warmes Wasser. Er muss sich richtig vollsaugen. Das macht die Haare noch weicher und du brauchst dieses Wasser für das Schaumschlagen. Ist der Pinsel vollgesogen, schlägst du das überschüssige Wasser mit einer fließenden Bewegung über dem Waschbecken ab. Abschlagen heißt jetzt nicht, irgendwo gegen zu schlagen. Du schwingst einfach den Pinsel einmal in einem Bogen in Richtung Waschbecken.

Nun setzt du ihn auf der Rasierseife oder Creme auf, welche bereits in der Schale sein sollte. Wenn du Rasierseife hast, die bereits in einem Tiegel kommt, kannst du direkt darin arbeiten, ansonsten schabst du etwas davon in deine Schaumschale. Führe kreisende Bewegungen aus dem Handgelenk aus. Gleichmäßige Bewegungen sorgen dabei für einen cremigen Schaum. Denke daran: Es ist kein Schneebesen. Es hat mehr etwas von einer Teezeremonie – tatsächlich sind die Bewegungen beim Rasierpinsel und beim Teepinsel fast gleich. Kreise weiter, bis sich ein schöner Rasierschaum gebildet hat.

Mann schäumt Rasierseife im Tiegel mit Rasierpinsel auf

Den Rasierschaum trägst du nun mit dem Pinsel direkt auf den angefeuchteten Bart auf. Setze auch hier wieder den schaumigen Pinsel senkrecht auf das Gesicht und verteile den Schaum mit kreisenden Bewegungen. Wenn der Schaum nicht reicht, tauche den Pinsel noch einmal in die Schale und nimm etwas mehr auf. Nach der Rasur reinigst du deinen Rasierpinsel unter lauwarmem Wasser und stellst ihn auf den Griff, die Haare nach oben, zum Trocknen. Mit scharfen Reinigern würdest du die Haare schädigen, spüle ihn daher nur gründlich mit klarem, lauwarmem Wasser aus.

Worauf sollte beim Kauf eines Rasierpinsels geachtet werden?

Von synthetischen Fasern halten Rasierprofis oft nichts. Dennoch gibt es inzwischen hochwertige Rasierpinsel aus synthetischen Fasern, die den Echthaarpinseln in nichts nachstehen. Das beste Naturhaar ist Dachshaar. Rasierpinsel aus reinem Dachshaar werden wie oben erwähnt Pure Badger (reiner Dachs) genannt. Es gibt auch Rasierpinsel aus Pferdehaar oder Wildschweinhaar. Diese sind oft etwas starrer und bieten dadurch einen intensiveren Massageeffekt für die Haut.

Der Griff des Rasierpinsels muss angenehm in der Hand liegen. Sonst macht es nicht nur wenig Spaß, sich damit einzuschäumen. Ein ungünstiger Griff kann sogar Krämpfe verursachen. Hochwertige Pinsel haben einen Griff aus Holz, Aluminium oder Edelstahl. Günstigere Pinsel gibt es auch mit Kunststoffgriffen. Besonders wichtig ist, dass der Griff auch nass noch rutschfest ist. Hier haben die Holzgriffe eindeutig die Nase vorn.

Rasierpinsel Set mit Halterung, Tiegel und Rasierhobel

Ein netter Bonus beim Rasierpinselkauf sind Sets, die eine Halterung zum Trocknen und weitere Accessoires mitliefern. In einigen Sets ist gleich eine Schale mit dabei und manche kommen gleich komplett mit Nassrasierer und Bartbürste. Diese Sets bieten oft große Preisvorteile gegenüber dem Einzelkauf der Bestandteile.

Gibt es vegane Rasierpinsel?

Natürlich hat (hoffentlich) niemand vor, seinen Rasierpinsel zu essen. Dennoch gibt es auch für besonders tierwohlbewusste Männer Pinsel, die komplett ohne tierische Bestandteile auskommen. Die Haare bestehen dabei aus synthetischer Kunstfaser, das Griffstück aus Holz oder Metall und es werden keine umweltschädigenden Lacke verwendet.

Wie pflege ich meinen Rasierpinsel?

Wie bei jedem Werkzeug, so gilt auch für den Rasierpinsel: Gute Pflege bringt ein langes Leben. Regelmäßig nach Gebrauch gründlich ausspülen ist für alle Pinselarten ein Muss. Auch der Verzicht von scharfen Reinigern gilt genauso für synthetische Pinsel, denn auch diese können sonst an Qualität einbüßen.

Speziell Naturhaarpinsel sollten regelmäßig mit einem milden Shampoo gewaschen werden. Damit werden auch letzte Seifenreste aus dem Haar gespült. Die Rasierseife oder Rasiercreme sorgt nicht nur dafür, dass sich das Barthaar aufstellt. Mit der Zeit kann sie auch die Haare des Rasierpinsels angreifen, wenn dieser nicht regelmäßig gereinigt wird.

Was tun bei ausgefransten Haaren?

Wenn dein Rasierpinsel schon eine Weile in Gebrauch ist, können sich Haare lösen, die dann auf der Seife oder sogar auf dem Gesicht landen. Diese kannst du einfach mit deiner Bartbürste aus dem Rasierpinsel herausbürsten. Wenn Haare gebrochen sind und abstehen, solltest du diese abschneiden. Nimm dafür eine Bartschere oder eine kleine Nagelschere und setze etwas oberhalb der Bruchstelle an. Oberhalb meint hier, in Richtung des Griffs, sodass du die Bruchstelle mit abschneidest.

Mit einer Bartbürste lassen sich lose Haare ganz einfach aus dem Rasierpinsel bürsten

Kontrolliere generell deinen Pinsel regelmäßig auf Haarausfall. Wenn sich viele Haare in kurzer Zeit lösen, kann es sein, dass der Klebstoff oder der Griff sich gelöst hat. Es kann aber auch bedeuten, dass du beim Aufschäumen der Rasierseife oder beim Auftragen des Schaums auf die Haut zu viel Druck aufwendest. Der Rasierpinsel sollte während des Gebrauchs seine besondere Form behalten und nicht aussehen, als hätte ihm jemand eine Beule in den Bart gebissen.

Und für Unterwegs?

Wer viel auf Reisen ist, aber auf die traditionelle Rasur nicht verzichten will, findet Reise-Rasierpinsel. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine besondere Hülle haben, die sich über die Haare des Pinsels stülpen lässt. Mit dieser Hülle oder Kapsel werden einerseits die Haare selbst vor Schaden geschützt, andererseits auch die Kleidung im Koffer vor der Feuchtigkeit. Damit der Pinsel aber nicht unterwegs anfängt zu schimmeln, sind diese Hüllen luftdurchlässig. So erlauben sie dem Pinsel, auch unterwegs komplett zu trocknen.

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